Die Rentenlücke — und warum sie größer ist als gedacht
Auf deiner Renteninformation steht ein Betrag. Der ist brutto, in heutigem Geld und unter der Annahme, dass alles so weiterläuft. Drei Dinge, die man wissen sollte.
Erstens: Von brutto bleibt nicht brutto
Von der gesetzlichen Rente gehen Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung ab. Dazu ist die Rente steuerpflichtig, und der steuerpflichtige Anteil steigt mit jedem Rentnerjahrgang. Wer heute mit einer Bruttorente von 1.800 € rechnet, sollte netto einen spürbar niedrigeren Betrag ansetzen.
Zweitens: Kaufkraft
Die Renteninformation weist den Betrag in heutigem Geld aus. Bis du ihn bekommst, vergehen aber möglicherweise dreißig Jahre. Schon bei moderater Inflation halbiert sich die Kaufkraft eines Betrags über einen solchen Zeitraum ungefähr.
| Zeitraum | Kaufkraft von 1.000 € bei 2 % Inflation |
|---|---|
| nach 10 Jahren | rund 820 € |
| nach 20 Jahren | rund 670 € |
| nach 30 Jahren | rund 550 € |
Modellrechnung zur Veranschaulichung, keine Prognose.
Drittens: der Bedarf sinkt nicht so stark wie erhofft
Verbreitet ist die Annahme, im Ruhestand brauche man etwa 80 % des letzten Nettoeinkommens. Manches fällt weg — Fahrtkosten, Berufskleidung, oft die Tilgung. Anderes kommt hinzu: mehr Zeit, mehr Gesundheitsausgaben, Unterstützung für Kinder oder Eltern.
Die Rechnung in vier Zeilen
- Bedarf: heutiges Nettoeinkommen × 0,8
- Minus die zu erwartende Nettorente
- Minus was bestehende Verträge tatsächlich auszahlen — nicht die Ablaufleistung, sondern die monatliche Rente daraus
- Ergebnis auf den Ruhestandsbeginn hochrechnen
Der Punkt, an dem es meistens hakt: Schritt 3. Viele wissen, welche Verträge sie haben, aber nicht, welche monatliche Rente daraus wird. Eine Ablaufleistung von 80.000 € klingt nach viel und ergibt doch nur einen überschaubaren Monatsbetrag, wenn sie zwanzig Jahre reichen soll.
Warum früh anfangen so viel ausmacht
Beim langfristigen Sparen arbeitet der Zinseszins. Die Beiträge der ersten Jahre haben am längsten Zeit — und tragen deshalb überproportional zum Ergebnis bei. Wer zehn Jahre später anfängt, muss deutlich mehr als das Doppelte monatlich aufwenden, um dasselbe zu erreichen.
Das ist kein Verkaufsargument, sondern Mathematik. Und der Grund, warum sich diese Rechnung mit 30 mehr lohnt als mit 50.
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